

Ich bin ein waschechter Hesse, auch wenn man das nicht hört! Genetisch bin ich allerdings halb Preuße und halb Habsburger. Die Familie meiner Mutter kommt aus Ostpreußen, die meines Vaters aus dem Sudetenland. Geboren werde ich 1966 in der Documenta-Stadt Kassel. Mit zehn Jahren komme ich nach Hanau, die Stadt der Brüder Grimm und von Rudi Völler.
Abitur an der Hohen Landesschule in Hanau, Hessens zweitältester Schule. Selbstironisch sprechen wir von der "Eliteschule der Galaxis". Leistungskurse: Wirtschaftswissenschaften und Englisch. Eine wunderbare Zeit. Vor allem meinem Deutschlehrer Erland Schneck und seiner Theater AG habe ich viel zu verdanken. Bei ihm lerne ich zum Beispiel das erste Mal vor ein Publikum zu treten und das Lampenfieber zu überwinden. Erste Artikel für die Schülerzeitung "Daily Terror".
Nach dem Abitur heißt es "Junge mach erst mal was Solides!" Eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei Siemens in Frankfurt und Berlin verspricht Karriere ohne Studium. In Berlin lerne ich die große weite Welt kennen, Theaterbesuche, Museen, Galerien, Architektur, Kreuzberger Kneipen und Alternativkultur. Von dieser Vielfalt fasziniert, stelle ich schnell fest, zum Buchhalter bin ich nicht geboren - trotz einer 1 in Buchführung. Also fange ich an, am Wochenende für die Offenbach Post zu schreiben und zu fotografieren. Der erste Bericht natürlich aus Berlin. Die Arbeitsproben stimmen hoffnungsvoll und so geben die Eltern ihren Segen zum Studium.
An der Münchner Ludwig Maximilians Universität studiere ich Kommunikationswissenschaft, Volkswirtschaftslehre und Theaterwissenschaft. Eine ungewöhnliche Mischung, aber ich bleibe meinen unterschiedlichen Interessen treu und schaffe eine breite Wissensbasis für meinen späteren Beruf. Neben dem Studium versuche ich so viel wie möglich in die Praxis reinzuschnuppern. Die bayerische Medienlandschaft mit den neuen Privatsendern macht´s möglich.
Meine ersten Fernseherfahrungen sammle ich bei Tele 5, beim Bayerischen Rundfunk und bei Studio 1 Holzkirchen, einem kleinen halb-professionellen Fernsehsender im Oberland. Eine tolle Erfahrung! Wir können alles ausprobieren, lernen Land und Leute kennen, vom Franziskanermönch über den Fußballprofi bis zum Altbundespräsidenten und ich stehe das erste mal vor der Kamera.
Bei einem Seminar Begegnung mit Kollegen vom DDR-Fernsehen, vom Jugendmagazin Elf 99. Ihre Berichterstattung: frech und aufmüpfig, ganz anders als unser Bild vom linientreuen DDR-Journalisten. Das fasziniert mich. Ich schreibe meine Magisterarbeit über Elf 99. Aus geplanten drei Wochen in Berlin wird ein halbes Jahr. Mehrere Filme für Elf 99 entstehen. Nach der Abwicklung des Deutschen Fernsehfunks gibt´s für mich nichts mehr zu tun und ich gehe wieder nach München.
Einige Wochen arbeite ich für das regionale Fenster von RTL in München. Doch die Liebe führt mich nach Frankfurt. Dort erreicht mich der Anruf, dass ich den Lokalfernsehpreis der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien gewonnen habe. Ein unerwarteter Geldsegen für den Studenten und eine Empfehlung für die erste Bewerbung auf eine Festanstellung.
In Frankfurt startet 1993 das regionale Fenster von RTL in Hessen. Ich bekomme eine Anstellung als Jungredakteur. Nach einem Jahr Wechsel zum Regionalreport von SAT 1 für Rheinland-Pfalz und Hessen, als festangestellter Redakteur. Zwei Jahre später sucht der Hessische Rundfunk für sein Flaggschiff die "Hessenschau" neue Leute. Ich werde empfohlen und im April 1996 zum ersten Hessenschau-Mitarbeiter der von den Privaten kommt.
Nach drei Jahren auch Nachrichtenmoderator im HR-Fernsehen. Von der Frankfurter Börse berichte ich ein Jahr lang als Reporter für die Sendung "Maintower". Seit 2007 Moderator der "Hessenschau". Wenn ich nicht moderiere arbeite ich nach wie vor als Reporter und berichte aus allen Lebensbereichen über das aktuelle Geschehen in Hessen.
Zu meinen journalistischen Schwerpunkten gehören Themen aus den Bereichen Wirtschaft, Auto und Service. Für die "Hessenschau" habe ich als Redakteur Sendereihen konzipiert und betreut, z.B. zur Einführung des Euro oder zur Automobilausstellung IAA. Für die Sendung "Service Familie" nehme ich regelmäßig Produkte und Freizeitangebote für Familien unter die Lupe.
Zu meiner Berufswahl muss wohl die frühe Erkenntnis aus der "Sesamstraße" beigetragen haben: "Wieso, weshalb, warum, wer nicht fragt, bleibt dumm!", hieß es im Vorspann der beliebten Kindersendung. Neugierig bin ich schon damals gewesen und diese Neugier habe ich mir bewahrt, egal ob mich der Beruf in die hessischen Mittelgebirge führt oder ins Ausland: Mich interessieren vor allem die Menschen, das was sie tun und warum sie es tun, ob jemand ein Unternehmen leitet, Wüstenrallyes fährt oder alte Autos sammelt.
Was mir besonders gefällt: die Abwechslung, die mein Beruf bietet. Jeder Tag bietet neue spannende Eindrücke und Erkenntnisse. Als Journalist kommt man überall hin und überall rein, ob in den Landtag oder ins Atomkraftwerk, ob Rockkonzert oder Kultur-Event, Börsensaal oder Sportveranstaltung. Dafür nehme ich Stress, Zeitdruck und Wochenendarbeit gerne in Kauf.
Heute lebe ich mit meiner Frau und zwei Kindern, einem Mädchen und einem Jungen, in Frankfurt. Neben Beruf und Familie gilt meine Liebe dem Sport: Laufen, Radfahren, Schwimmen, Fußball und Klettern stehen regelmäßig auf meinem Trainingsplan. Auch beim Tuesday Night Skating in Frankfurt kann man mich sehen. Und im Winter gibt´s nichts Schöneres als Skifahren!
Mein größter sportlicher Erfolg: Berlin-Marathon unter vier Stunden. Wenn ich nicht selbst aktiv bin, schlägt mein Herz für Schalke 04 und die Frankfurter Eintracht. Mittlerweile bin ich allerdings wegen der Kinder viel häufiger Zuschauer bei den Jugendspielen von Germania Enkheim, als in der Bundesliga.
An Frankfurt gefällt mir vor allem das Museumsufer am Main, wo man an warmen Sommerabenden beim Bier oder Ebbelwei den Blick auf die Skyline genießen kann. Ich mag die Internationalität und das liberale politische Klima der Stadt sowie ihre Kontraste: auf wenigen Metern wechseln weltstädtisches Flair mit dörflicher Idylle, Hochhäuser und Fachwerk, schicke Bars und Ebbelwei-Kneipen, englisch sprechende Banker und Mundart babbelnde Frankfordder.
Zu den Veranstaltungs-Highlights gehört das Museumsuferfest. Für den Journalisten sind natürlich auch die Internationale Automobilaustellung (IAA) und die Buchmesse ein Muss. Opernball, Sportpresse-Ball und die Verleihung des Hessischen Filmpreises oder des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels sind ebenfalls immer wieder interessante Veranstaltungen.
Neben den Spielen der Frankfurter Eintracht bringen vor allem drei Sportveranstaltungen die Stadt auf Trab: das Radrennen "Rund um den Henninger-Turm" - die Jedermann-Tour bin ich selbst schon mitgefahren, der Frankfurt Marathon und der "längste Tag" der Ironman Germany. Ehrensache, dass ich an der Strecke stehe und die Teilnehmer anfeuer.
Seit einigen Jahren radel ich mit der „Tour der Hoffnung“ und dem Verein „Menschen für Kinder“ und sammel so Spenden für krebskranke Kinder. Seit wir im Freundeskreis erleben mussten, was es heißt ein Kind durch diese Krankheit zu verlieren, ist mir dieses Engagement eine besondere Herzenssache. Mehr dazu unter Soziales Engagement.
Wie kommt ein Hesse zu Schalke 04? Einmal weil mein Vater Schalke Anhänger war und uns dieses Thema immer verbunden hat. Zum anderen weil mich die Geschichte des Vereins fasziniert, die Bergleute, die es in den 30er und 40er Jahren schafften durch den Fußball Erfolg und Anerkennung zu erringen. "Per Aspera Ad Astra", durch Widrigkeiten zu den Sternen! Schalke war und ist trotz aller Kommerzialisierung des Fußballs ein Verein der kleinen Leute: Menschen die der Meinung sind, dass man es eigentlich verdient hätte, jedes Jahr Deutscher Meister zu werden, die aber wissen, dass man es nicht kann und auch nicht muss, die treu zu ihrem Verein stehen, auch in schweren Zeiten, mit bedingungsloser Hingabe, egal ob die Mannschaft gewinnt oder verliert. Das gefällt mir!
Die schönste Zeit mit der Eintracht war die Saison 91/92 an deren Ende ich allerdings bittere Tränen weinen musste, weil Frankfurt am letzten Spieltag in Rostock um die verdiente Meisterschaft gebracht wurde. Es war die Zeit von Uwe Bein, Andi Möller, Anthony Yeboah und Jay-Jay Okocha. Das war Fußball vom anderen Stern. Und ich kann sagen: ich bin ganz oft dabei gewesen!
"Der Rote Blitz" das war ein Kinderbuch, dass ich geliebt habe. Darin geht es um ein kleines offenes Auto. Und so gibt´s neben dem Fußball noch eine Verrücktheit in meinem Leben: ich liebe schöne Autos, vor allem alte und freue mich wenn sich die Gelegenheit bietet über Oldtimer zu berichten. So kann ich ab und an die Faszination der Veteranen genießen ohne sie besitzen zu müssen. Das Design ist mir dabei wichtiger als PS und Prestige. In meiner Fiat-Barchetta erlebe ich regelmäßig Glücksgefühle, auch wenn sich der Spruch "Fiat bedeutet: Fehler in allen Teilen" immer wieder bewahrheitet. Aber die Schönheit der Italienerin lässt alle Macken vergessen.
© 2008 Andreas Hieke